Ich wollte ja...
und das schon seit langem...
...jetzt endlich ist es soweit und ich vervollständige hiermit meine kleine Mumienserie. ;-)
Im Zuge meiner morbiden Aktivitäten fiel mir ja auch die Geschichte von Aurora ein und ich hatte mir vorgenommen, davon zu erzählen.
Nun war ich in den letzten Wochen verhindert, u.a. habe ich kurz meine Heimatstadt besucht.
Da Aurora lange Zeit (leider vor meiner Zeit) DIE Vorzeigemumie meiner Heimatstadt gewesen sein soll, fügt sich somit eins zum anderen.
Lange Rede kurzer Sinn:
Es war einmal...
... eine edle Dame mit Namen Maria Aurora von Königsmarck*.
Die war, wie ich jetzt herausgefunden habe, nicht nur Pröbstin des Damenstifts, sondern auch Geliebte von August II ("der Starke") und Voltaire hielt sie sogar für "die berühmteste Frau zweier Jahrhunderte".**
Sie wird als sehr gebildet,intelligent und musisch begabt beschrieben.
Darüberhinaus soll sie auch noch sehr schön gewesen sein.
Diese Schönheit hat sich angeblich bis weit über den Tod hinaus erhalten und das kam so:
Als Frau Aurora verstarb, wurde sie in der Fürstengruft der Quedlinburger Stiftskirche beigesetzt.
Dort muß ein zersetzungswidriges Klima geherrscht haben, denn als die Gruft für Restaurierungsarbeiten(?) geöffnet wurde, fand man die dort beigesetzten Toten in ungewöhnlich gutem Zustand vor.
Die Leichen waren mumifiziert und insbesondere die der Aurora soll so gut erhalten gewesen sein, daß die Schönheit von Gesicht und Haaren noch zu erahnen gewesen sein soll. Nach dieser Entdeckung wurde die Gruft mitsamt ihren Toten zur Besichtigung freigegeben.
Nach Kriegsende besichtigten auch amerikanische Soldaten die Gruft.
Es wurde gerüchteweise erzählt, daß diese von der immernoch erkennbaren Schönheit der Aurora so hingerissen gewesen sein sollen, daß sie ihr als Zeichen ihrer Verehrung einen Strauß Rosen auf die Brust legten.
Mit den Blumen allerdings wurden auch Insekten eingeschleppt, die ihrerseits begannen, der Dame ihre ganz eigene Art von Ehre zu erweisen.
Die öffentlichen Besichtigungen, die offenbar das konservierende Klima erheblich störten, hatten ohnehin schon ihre Spuren an den Mumien hinterlassen und daher enschloss man sich wohl , die Särge wieder zu schließen und die Toten ihrer wohlverdienten Ruhe zu überlassen.
Ich kann die Geschichte nur so erzählen, wie ich sie als Kind mit großen Ohren aufgeschnappt habe. Was daran wahr und was Gerücht ist vermag ich nicht zu sagen.
Über die Mumien selbst konnte ich leider nicht viel in Erfahrung bringen. Ich weiß darüber vom Hörensagen und der einzige Link, unter dem ich eine Erwähnung gefunden habe ist dieser hier.
Falls sich irgendjemand in meine Gemächer verirrt, der besser Bescheid weiß, mich würde sehr interessieren, was die /derjenige zu sagen hat.
Über Auroa habe ich schon etwas mehr gefunden, in dieser Buchvorstellung beispielsweise. Das Buch selbst kenne ich nicht, aber der Zeit-Artikel darüber ist recht interessant. Darin steht auch, daß die Dichterin George Sand eine Nachfahrin Auroras war.
Hier gibt es auch recht umfangreich, und etwas unbequem, die bewegte Lebensgeschichte Auroras nachzulesen.
Dort fand ich u.a. die Information, daß der Leichnam Auroras erst ein Jahr nach ihrem Tode in der Fürstengruft bestattet werden konnte, was damit zusammenhing, daß die Gräfin als sie starb, finanziell ruiniert gewesen sein soll.
Über Aurora von Königsmarck sind verschiedene Bücher geschrieben worden. In der diesjährigen Sonderausstellung des Quedlinburger Schloßmuseums kann man sich ebenfalls sowohl über Aurora, als auch über die Geschichte des Damenstifts informieren.
*die Schreibweise mit "ck" am Ende habe ich bei kurzer Recherche genauso vorgefunden, wie die Schreibweise mit "k" (Königsmark). Welche nun die richtige ist, kann ich nicht sagen. Die "ck"-Version scheint aber verbreiteter zu sein.
** Lebensdaten: 1662 - 1728
Tuesday, 28 July 2009
Thursday, 2 July 2009
Kapuzinergruft und Mumiengeschichten II
Nachdem ich mich über die Kapuzinergruft von Palermo übersichtsweise belesen habe, weiß ich, daß hinter dem guten Erhaltungszustand der dort beigesetzten Leichen, neben dem von Natur aus günstigen Klima auch künstliche Mumifizierungsmaßnahmen stecken.
Kurz zusammengefasst lief dieser Prozess folgendermaßen ab:
Die Toten wurden auf bestimmte Weise eine Zeit lang getrocknet. Das vor Ort vorhandene Tuffgestein, spielte dabei eine wesentliche Rolle. Anschließend wusch man die Trockenmumien mit Essig, kleidete sie standesgemäß an und brachte sie in die Katakomben, wo sie an "ihren" Platz aufgebahrt, aufgehängt oder aufgestellt wurden.
Dort konnten die Verstorbenen von ihren Angehörigen besucht werden. Es war auch nicht unüblich, die Überreste von Zeit zu Zeit neu einzukleiden, was den guten Zustand der Kleider erklärt, der mir beim Anscheuen der Bilder sofort aufgefallen war.
Es muß sicher nicht extra erwähnt werden, daß dieser Aufwand nur Geistlichen und gut betuchten Bürgern vorbehalten war.
Wer mehr darüber wissen will findet natürlich bei Wikipedia oder auf anderen Seiten und in Büchern über diese Gruft ausführlichere Informationen.
Aus wissenschaftlicher Sicht, Für Anthropologen zum Beispiel, muß diese Gruft eine wahre Schatzkammer sein.
Was mich allerdings beschäftigt ist, weshalb Menschen das Bedürfnis entwickeln, ihren verblichenen Lieben beim Verwesen zuzusehen. Denn trotz aller Bemühungen ist der natürliche Verfallsprozess ja nicht gestoppt, zumal auch schon Trockenmumien eigentlich nicht mehr viel mit den lebendigen Menschen zu tun haben, die sie einmal gewesen sind.
Ein gewisses Interesse an den biologischen Prozessen zu haben, die sich mit dem menschlichen Körper vollziehen, ist eine Sache, wenn es sich dabei um Tote handelt, die man zu Lebzeiten nicht selbst gekannt hat.
Den Verfall der Überreste von Menschen zu beobachten, die einmal geliebte Angehörige waren, ist dagegen etwas völlig Anderes.
Ein gewisser General Mario Lombardo wollte sogar 1920 dem Verfall ganz und gar trotzen. Als nämlich seine zweijährige Tochter Rosalia an der spanischen Grippe starb, konnte er sich nicht mit dem Verlust abfinden und beauftragte den als "Meister der Mumien" berühmt gewordenen Chemiker Alfredo Salafia mit der Einbalsamierung des toten Kindes.
Der beherrschte sein Handwerk derart gut, daß der Körper sich bis heute nahezu unversehrt und sogar sehr lebensnah erhalten hat und heute sogar als die schönste Mumie der Welt gilt.
Erst Anfang diesen Jahres kam ein junger Anthropologe hinter das Geheimnis von Salafias Kunst, wie hier nachzulesen ist.
Kurz zusammengefasst lief dieser Prozess folgendermaßen ab:
Die Toten wurden auf bestimmte Weise eine Zeit lang getrocknet. Das vor Ort vorhandene Tuffgestein, spielte dabei eine wesentliche Rolle. Anschließend wusch man die Trockenmumien mit Essig, kleidete sie standesgemäß an und brachte sie in die Katakomben, wo sie an "ihren" Platz aufgebahrt, aufgehängt oder aufgestellt wurden.
Dort konnten die Verstorbenen von ihren Angehörigen besucht werden. Es war auch nicht unüblich, die Überreste von Zeit zu Zeit neu einzukleiden, was den guten Zustand der Kleider erklärt, der mir beim Anscheuen der Bilder sofort aufgefallen war.
Es muß sicher nicht extra erwähnt werden, daß dieser Aufwand nur Geistlichen und gut betuchten Bürgern vorbehalten war.
Wer mehr darüber wissen will findet natürlich bei Wikipedia oder auf anderen Seiten und in Büchern über diese Gruft ausführlichere Informationen.
Aus wissenschaftlicher Sicht, Für Anthropologen zum Beispiel, muß diese Gruft eine wahre Schatzkammer sein.
Was mich allerdings beschäftigt ist, weshalb Menschen das Bedürfnis entwickeln, ihren verblichenen Lieben beim Verwesen zuzusehen. Denn trotz aller Bemühungen ist der natürliche Verfallsprozess ja nicht gestoppt, zumal auch schon Trockenmumien eigentlich nicht mehr viel mit den lebendigen Menschen zu tun haben, die sie einmal gewesen sind.
Ein gewisses Interesse an den biologischen Prozessen zu haben, die sich mit dem menschlichen Körper vollziehen, ist eine Sache, wenn es sich dabei um Tote handelt, die man zu Lebzeiten nicht selbst gekannt hat.
Den Verfall der Überreste von Menschen zu beobachten, die einmal geliebte Angehörige waren, ist dagegen etwas völlig Anderes.
Ein gewisser General Mario Lombardo wollte sogar 1920 dem Verfall ganz und gar trotzen. Als nämlich seine zweijährige Tochter Rosalia an der spanischen Grippe starb, konnte er sich nicht mit dem Verlust abfinden und beauftragte den als "Meister der Mumien" berühmt gewordenen Chemiker Alfredo Salafia mit der Einbalsamierung des toten Kindes.
Der beherrschte sein Handwerk derart gut, daß der Körper sich bis heute nahezu unversehrt und sogar sehr lebensnah erhalten hat und heute sogar als die schönste Mumie der Welt gilt.
Erst Anfang diesen Jahres kam ein junger Anthropologe hinter das Geheimnis von Salafias Kunst, wie hier nachzulesen ist.
Monday, 29 June 2009
Kapuzinergruft und Mumiengeschichten I
Gerade habe ich seit längerem mal wieder Madame Talbot besucht, die ja bekanntermaßen ein Faible für Obskures, Skurriles und Morbides hat (was ihr einen Platz in meiner Linkliste einbrachte) und sie stellt in ihrem Weblog ein Buch über die Lebenden Toten von Palermo vor.
Also das ist unglaublich, finde ich, in welch gutem Zustand diese sterblichen Überrreste teilweise noch sind. Vor allem das mittlere Foto des jungen Mannes, dessen Gesichtszüge praktisch unversehrt erhalten sind ist sehr erstaunlich. Dabei dürfte der Tod dieser Leute mehr als 100 Jahre her sein.
Faszinierend!
Nachtrag I:
Hier ist noch ein beachtenswerter Link zum Thema. (auch bei Madam T. gefunden):
Kings, Capuchin`s Catacombs of Palermo
Nachtrag II:
Das Geheimnis der Rosalia Lombardo
Also das ist unglaublich, finde ich, in welch gutem Zustand diese sterblichen Überrreste teilweise noch sind. Vor allem das mittlere Foto des jungen Mannes, dessen Gesichtszüge praktisch unversehrt erhalten sind ist sehr erstaunlich. Dabei dürfte der Tod dieser Leute mehr als 100 Jahre her sein.
Faszinierend!
Nachtrag I:
Hier ist noch ein beachtenswerter Link zum Thema. (auch bei Madam T. gefunden):
Kings, Capuchin`s Catacombs of Palermo
Nachtrag II:
Das Geheimnis der Rosalia Lombardo
Monday, 2 March 2009
Auf den Spuren der Kriminalliteratur - 3 -
Aufgehört hatte ich das letzte Mal beim Opiumgebrauch im 19.Jahrhundert im Allgemeinen, beim Drogenkonsum von Edgar Allen Poe und Sherlock Holmes im Besondern, - was mich wiederum zum Einfluß psychoaktiver Substanzen auf die kulturelle Entwicklung im besonders Allgemeinen und daraufhin zu Christian Rätsch führte.
Worauf ich jetzt nocheinmal zurückkommen muß, der Vollständigkeit halber, ist die Meerschaumpfeife. Die nämlich hat Sir Arthur auch beim guten Edgar ausgeliehen.
Im "Rue Morgue" - Fall, wie auch bei "Marie" stand nichts dergleichen. "Der entwendete Brief" jedoch ist voll mit pfeiferauchenden Dupins.
Die Vermutung, die ich (bzw. vor mir bereits andere) schon bei Sherlock Holmes hatte, daß das Opiumrauchen, weil (noch) nicht strafbar, kein besonders erwähnenswerter Umstand gewesen sein könnte und daher immer nur vom Rauchen der Meerschaumpfeife die Rede ist, was uns heutige Leser wiederum automatisch zu der Annahme verleitet, es handelt sich um Tabak, der da geraucht wird ... nunja, Opium wäre eben eine andere Möglichkeit, die man nicht ganz ausschließen sollte.
Aber nun verlasse ich vorübergehend das zwielichtige 19. Jahrhundert, überschreite die Grenze zum 20. Selben (Man stelle sich hier die letzte Szene aus "Sleepy Hollow" vor) und richte mein Augenmerk auf den Dritten im Bunde der Meisterdetektive: Monsieur Hercule Poirot.
Er ist bisher etwas kurz gekommen.
Um es gleich vorweg zu nehmen (und Agatha - Christie - Leser werden es ohnehin schon wissen) Hercule Poirot verabscheut Rauschgifte aller Art zutiefst.
Ihm ist es ein Anliegen, auf deren Gefährlichkeit bei jeder sich bietenden Gelegenheit hinzuweisen, Dealer mit Hilfe seiner berühmten grauen Zellen dingfest zu machen und die hilflosen Opfer den Fängen des Kokains zu entreißen.
Er selbst hat eher eine Schwäche für Süßes, als für Berauschendes. Er trinkt, wenn er trinkt (denn das schadet ja den kleinen grauen Zellen) süße, klebrige Liköre.
Er mag darüberhinaus Sirup und Schokolade in allen Variationen, sowie belgische Patisseriekreationen, die in England zu seinem Bedauern nur ausgesprochen schwer in der von ihm gewünschten Qualität zu bekommen sind. Poirot ist nämlich Feinschmecker.
Allerdings isst bei ihm das Auge mit. Wenn beispielsweise die Frühstückseier nicht die gleiche Größe haben, kann er sie unmöglich verspeisen. Und damit werden wir schon auf eine seiner ganz spieziellen Eigenheiten aufmerksam: Sein besonders ausgeprägter Sinn für Ordnung und Methode. Dieser Sinn steht nun allerdings in direktem Verhältnis zu seinen excellenten Fähigkeiten, - was uns wiederum auf direktem Wege zu Edgar Allen Poe und dem Urahn aller Detektive Auguste Dupin führt.
Gleich in der Einleitung zum "Doppelmord in der Rue Morgue" nämlich findet sich eine kleine Abhandlung über die "analytische Geisteslage" und die Tatsache, daß Menschen, die diese in außerordentlichem Maße besitzen von Außenstehenden gern der Hellseherei für fähig gehalten werden, obwohl ihre fabelhaften Erkenntnisse ausschließlich "aufgrund der strengsten Methode zustande gekommen sind".
"Ordnung und Methode" damit charakterisiert Poirot selbst seine Vorgehensweise aber für ihn ist es noch mehr als das. "Ordnung und Methode" ist Poirots Lebensmotto.Was Auguste Dupin und Sherlock Holmes auf ihre Fälle anwenden, treibt Poirot auf die Spitze. Alles hat seinen Platz. Jedes noch so kleine Detail muß an der richtigen Stelle eingeordnet werden. Nichts darf aus der Reihe tanzen.
Dies betrifft die ganz normalen Alltäglichkeiten des Lebens und die detektivische Arbeit des Lösens von verzwickten Kriminalfällen gleichermaßen.
Aus A folgt B und aus B folgt C und wenn irgendwo in dieser Reihe auch nur eine kleine Unebenheit existiert, wird solange sortiert, recherchiert und ausgeschlossen bis alles dort ist wo es hingehört und die einzig mögliche Wahrheit sonnenklar vor ihm liegt. Was allerdings Poirot sonnenklar ist, muß es für seine Mitmenschen wie z.B. Captain Hastings noch längst nicht sein, - obwohl dem die nackten Tatsachen ebensogut bekannt sind wie seinem eierköpfigen belgischen Freund.
(Im Übrigen werden, wenn ich das richtig verstanden habe, Menschen mit hoher Intelligenz im englischen auch liebevoll als "Eggheads" (deutsch: Eierköpfe) bezeichnet. Insofern ist es wohl kein Zufall, daß Agatha Christie dem kleinen Mann auch physisch einen Eierkopf verpasst hat. Das nur am Rande)
Um seine Nerven zu beruhigen und seinen Verstand zu klären, ordnet Poirot Dinge im Außen, wie z.B. Nippesgegenstände auf dem Kaminsims oder aber er baut Kartenhäuser.
Worauf ich hinaus will, ist, daß Agatha Christie, die, das hab ich dort gelesen nach eigenen Angaben u.a. Edgar Allan Poe als Vorbild sah, wahrscheinlich durch diesen Abschnitt im "Doppelmord..." entscheidende Anregungen für ihren pennibelen kleinen belgischen Detektiv fand.
Worauf ich jetzt nocheinmal zurückkommen muß, der Vollständigkeit halber, ist die Meerschaumpfeife. Die nämlich hat Sir Arthur auch beim guten Edgar ausgeliehen.
Im "Rue Morgue" - Fall, wie auch bei "Marie" stand nichts dergleichen. "Der entwendete Brief" jedoch ist voll mit pfeiferauchenden Dupins.
Die Vermutung, die ich (bzw. vor mir bereits andere) schon bei Sherlock Holmes hatte, daß das Opiumrauchen, weil (noch) nicht strafbar, kein besonders erwähnenswerter Umstand gewesen sein könnte und daher immer nur vom Rauchen der Meerschaumpfeife die Rede ist, was uns heutige Leser wiederum automatisch zu der Annahme verleitet, es handelt sich um Tabak, der da geraucht wird ... nunja, Opium wäre eben eine andere Möglichkeit, die man nicht ganz ausschließen sollte.
Aber nun verlasse ich vorübergehend das zwielichtige 19. Jahrhundert, überschreite die Grenze zum 20. Selben (Man stelle sich hier die letzte Szene aus "Sleepy Hollow" vor) und richte mein Augenmerk auf den Dritten im Bunde der Meisterdetektive: Monsieur Hercule Poirot.
Er ist bisher etwas kurz gekommen.
Um es gleich vorweg zu nehmen (und Agatha - Christie - Leser werden es ohnehin schon wissen) Hercule Poirot verabscheut Rauschgifte aller Art zutiefst.
Ihm ist es ein Anliegen, auf deren Gefährlichkeit bei jeder sich bietenden Gelegenheit hinzuweisen, Dealer mit Hilfe seiner berühmten grauen Zellen dingfest zu machen und die hilflosen Opfer den Fängen des Kokains zu entreißen.
Er selbst hat eher eine Schwäche für Süßes, als für Berauschendes. Er trinkt, wenn er trinkt (denn das schadet ja den kleinen grauen Zellen) süße, klebrige Liköre.
Er mag darüberhinaus Sirup und Schokolade in allen Variationen, sowie belgische Patisseriekreationen, die in England zu seinem Bedauern nur ausgesprochen schwer in der von ihm gewünschten Qualität zu bekommen sind. Poirot ist nämlich Feinschmecker.
Allerdings isst bei ihm das Auge mit. Wenn beispielsweise die Frühstückseier nicht die gleiche Größe haben, kann er sie unmöglich verspeisen. Und damit werden wir schon auf eine seiner ganz spieziellen Eigenheiten aufmerksam: Sein besonders ausgeprägter Sinn für Ordnung und Methode. Dieser Sinn steht nun allerdings in direktem Verhältnis zu seinen excellenten Fähigkeiten, - was uns wiederum auf direktem Wege zu Edgar Allen Poe und dem Urahn aller Detektive Auguste Dupin führt.
Gleich in der Einleitung zum "Doppelmord in der Rue Morgue" nämlich findet sich eine kleine Abhandlung über die "analytische Geisteslage" und die Tatsache, daß Menschen, die diese in außerordentlichem Maße besitzen von Außenstehenden gern der Hellseherei für fähig gehalten werden, obwohl ihre fabelhaften Erkenntnisse ausschließlich "aufgrund der strengsten Methode zustande gekommen sind".
"Ordnung und Methode" damit charakterisiert Poirot selbst seine Vorgehensweise aber für ihn ist es noch mehr als das. "Ordnung und Methode" ist Poirots Lebensmotto.Was Auguste Dupin und Sherlock Holmes auf ihre Fälle anwenden, treibt Poirot auf die Spitze. Alles hat seinen Platz. Jedes noch so kleine Detail muß an der richtigen Stelle eingeordnet werden. Nichts darf aus der Reihe tanzen.
Dies betrifft die ganz normalen Alltäglichkeiten des Lebens und die detektivische Arbeit des Lösens von verzwickten Kriminalfällen gleichermaßen.
Aus A folgt B und aus B folgt C und wenn irgendwo in dieser Reihe auch nur eine kleine Unebenheit existiert, wird solange sortiert, recherchiert und ausgeschlossen bis alles dort ist wo es hingehört und die einzig mögliche Wahrheit sonnenklar vor ihm liegt. Was allerdings Poirot sonnenklar ist, muß es für seine Mitmenschen wie z.B. Captain Hastings noch längst nicht sein, - obwohl dem die nackten Tatsachen ebensogut bekannt sind wie seinem eierköpfigen belgischen Freund.
(Im Übrigen werden, wenn ich das richtig verstanden habe, Menschen mit hoher Intelligenz im englischen auch liebevoll als "Eggheads" (deutsch: Eierköpfe) bezeichnet. Insofern ist es wohl kein Zufall, daß Agatha Christie dem kleinen Mann auch physisch einen Eierkopf verpasst hat. Das nur am Rande)
Um seine Nerven zu beruhigen und seinen Verstand zu klären, ordnet Poirot Dinge im Außen, wie z.B. Nippesgegenstände auf dem Kaminsims oder aber er baut Kartenhäuser.
Worauf ich hinaus will, ist, daß Agatha Christie, die, das hab ich dort gelesen nach eigenen Angaben u.a. Edgar Allan Poe als Vorbild sah, wahrscheinlich durch diesen Abschnitt im "Doppelmord..." entscheidende Anregungen für ihren pennibelen kleinen belgischen Detektiv fand.
Friday, 20 February 2009
Auf den Spuren der Kriminalliteratur -2.1-
Das Thema scheint nicht nur mich zu beschäftigen, was vermutlich am 200. Geburtstag des Krimi - Urgroßvaters am 19. Januar liegt.
Passend dazu habe ich gerade bei BR - Online einen Artikel gefunden:
Meisterdetektive mit Köpfchen und Kinnhaken
Passend dazu habe ich gerade bei BR - Online einen Artikel gefunden:
Meisterdetektive mit Köpfchen und Kinnhaken
Sunday, 15 February 2009
Tisane vs. Gerstensud, Suchet vs. Ustinov...
Wer, wie ich eine Vorliebe für Poirot - Krimis hat, kommt an den Verfilmungen mit David Suchet nicht vorbei. Ich muß gestehen, ich kenne sie noch nicht so lange, weil die Serie mal vor vielen Jahren im Fernsehen gelaufen ist und dann nicht wieder. Ich hab wohl zufällig mal eine Folge gesehen und konnte mich nur dementsprechend vage daran erinnern, - bis eine gewisse Frau Lu mich wieder darauf brachte.
Bis dahin nämlich fand ich die Verfilmungen mit Peter Ustinov als Poirot ganz amüsant, - auf die komme ich später noch zurück.
Jedenfalls, seit ich also Suchets Poirot kenne und inzwischen Staffel 1-3 als DVD mein Eigen nenne (Nr. 4 wartet schon! :-) ), ist es für mich DER Poirot. Er verkörpert den Meisterdetektiv übrigens seit nunmehr 20 Jahren!
Es werden nach wie vor neue Filme produziert, wobei ich die alten Serienproduktionen auch wiederum besser, weil sorgfältiger gemacht finde. Aber das ist wieder ein anderes Thema.
Da DVD`s nun den großen Vorteil bieten, die Filme neben der deutschen Synchronisation auch im Originalton zu enthalten, kommt man hier in den vollen Genuß von Suchets Kunst.
Er hat die Figur des Poirot wirklich perfekt und vorlagengetreu bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. Sogar eine eigene Stimme hat er kreiert, die er speziell für diese Rolle benutzt.
Umso ärgerlicher ist es, wie dilletantisch oft die deutschen Synchronstimmen ausgewählt werden, - besonders für die neueren Produktionen. Zum Beispiel gibt es eine Neuverfilmung von "Tod auf dem Nil" mit David Suchet als Poirot, die ich leider nur als Videoaufnahme aus dem Fernsehen (und daher nur auf deutsch) habe, da hat Poirot eune derart unmögliche Synchronstimme, daß ich mir das nur unter großer Überwindung ansehen kann.
Wenn man Filme im Original wie in der Synchronfassung zu sehen bekommt, fallen aber auch noch andere Dinge auf. Mir ist neulich z.B. die seltsame Übersetzung des Wortes "Tisane" aufgestoßen.
Poirot mag ja keinen Tee. Er nenn ihn "Englisches Gift" und beteiligt sich an der englischen Gepflogenheit des Teetrinkens nur, wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt. Wenn er die Wahl hat, trinkt er am liebsten Tisane.
Nun ist "Tisane" nicht mehr und nicht weniger, als das französische Wort für "Kräutertee".
Wie also kommt man in der deutschen Fassung darauf es mit "Gerstensud" zu übersetzen?
Als ich das das erste Mal hörte, habe ich mir darunter soetwas wie Gerstenkaffee vorgestellt. Selbst wenn man an Stelle des Wortes "Kräutertee" eine bestimmte Sorte einsetzen wollte, so ist doch ausgerechnet Gerstensud denkbar ungeeignet weil irreführend.
Das ist eine winzige Kleinigkeit, und manch Einer fragt sich vielleicht, warum ich mich mit sowas überhaupt so ausführlich beschäftige, aber mich stört es nuneinmal, wenn solche Kleinigkeiten nicht stimmen.
Glücklicherweise gibt es in den Serien sonst kaum irgendetwas Unpassendes.
Zu Sir Peter Ustinov als Poirot:
Ich muß dazu sagen, daß ich Ustinov als Schauspieler sehr gern sehe.
Bevor ich Poirot-Krimis gelesen hatte, gefiel mir sein Poirot eigentlich ganz gut.
Je mehr ich aber das Original kennen lernte, umso deutlicher erkannte ich, daß Ustinov da zwar eine interessante, spannungsreiche Figur verkörperte, - aber eben nicht Hercule Poirot. Die Poirot-Filme mit ihm sind größtenteils auch sehr gut gemacht, - man denke nur an Tod auf dem Nil oder "Mord à la carte" alle beide mit hochkarätiger Starbesetzung.
...
Bis dahin nämlich fand ich die Verfilmungen mit Peter Ustinov als Poirot ganz amüsant, - auf die komme ich später noch zurück.
Jedenfalls, seit ich also Suchets Poirot kenne und inzwischen Staffel 1-3 als DVD mein Eigen nenne (Nr. 4 wartet schon! :-) ), ist es für mich DER Poirot. Er verkörpert den Meisterdetektiv übrigens seit nunmehr 20 Jahren!
Es werden nach wie vor neue Filme produziert, wobei ich die alten Serienproduktionen auch wiederum besser, weil sorgfältiger gemacht finde. Aber das ist wieder ein anderes Thema.
Da DVD`s nun den großen Vorteil bieten, die Filme neben der deutschen Synchronisation auch im Originalton zu enthalten, kommt man hier in den vollen Genuß von Suchets Kunst.
Er hat die Figur des Poirot wirklich perfekt und vorlagengetreu bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. Sogar eine eigene Stimme hat er kreiert, die er speziell für diese Rolle benutzt.
Umso ärgerlicher ist es, wie dilletantisch oft die deutschen Synchronstimmen ausgewählt werden, - besonders für die neueren Produktionen. Zum Beispiel gibt es eine Neuverfilmung von "Tod auf dem Nil" mit David Suchet als Poirot, die ich leider nur als Videoaufnahme aus dem Fernsehen (und daher nur auf deutsch) habe, da hat Poirot eune derart unmögliche Synchronstimme, daß ich mir das nur unter großer Überwindung ansehen kann.
Wenn man Filme im Original wie in der Synchronfassung zu sehen bekommt, fallen aber auch noch andere Dinge auf. Mir ist neulich z.B. die seltsame Übersetzung des Wortes "Tisane" aufgestoßen.
Poirot mag ja keinen Tee. Er nenn ihn "Englisches Gift" und beteiligt sich an der englischen Gepflogenheit des Teetrinkens nur, wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt. Wenn er die Wahl hat, trinkt er am liebsten Tisane.
Nun ist "Tisane" nicht mehr und nicht weniger, als das französische Wort für "Kräutertee".
Wie also kommt man in der deutschen Fassung darauf es mit "Gerstensud" zu übersetzen?
Als ich das das erste Mal hörte, habe ich mir darunter soetwas wie Gerstenkaffee vorgestellt. Selbst wenn man an Stelle des Wortes "Kräutertee" eine bestimmte Sorte einsetzen wollte, so ist doch ausgerechnet Gerstensud denkbar ungeeignet weil irreführend.
Das ist eine winzige Kleinigkeit, und manch Einer fragt sich vielleicht, warum ich mich mit sowas überhaupt so ausführlich beschäftige, aber mich stört es nuneinmal, wenn solche Kleinigkeiten nicht stimmen.
Glücklicherweise gibt es in den Serien sonst kaum irgendetwas Unpassendes.
Zu Sir Peter Ustinov als Poirot:
Ich muß dazu sagen, daß ich Ustinov als Schauspieler sehr gern sehe.
Bevor ich Poirot-Krimis gelesen hatte, gefiel mir sein Poirot eigentlich ganz gut.
Je mehr ich aber das Original kennen lernte, umso deutlicher erkannte ich, daß Ustinov da zwar eine interessante, spannungsreiche Figur verkörperte, - aber eben nicht Hercule Poirot. Die Poirot-Filme mit ihm sind größtenteils auch sehr gut gemacht, - man denke nur an Tod auf dem Nil oder "Mord à la carte" alle beide mit hochkarätiger Starbesetzung.
...
Tuesday, 10 February 2009
Auf den Spuren der Kriminalliteratur - 2 -
Ich war stehen geblieben bei den Eigentümlichkeiten literarischer Kriminologen.
Sherlock Holmes, konsumierte also Morphium und Kokain, was, so steht es hier in den frühen Geschichten ausdrücklich beschrieben wird, denn zu Zeiten ihrer Entstehung , wurden diese Mittel noch nicht als Rauschgifte betrachtet, sondern waren in Apotheken frei verkäuflich.
Was genau in den Originaltexten drinsteht will ich noch nachlesen.
Wie und wann der freie Handel mit Betäubungsmitteln verboten wurde, würde mich auch interessieren.
Wenn, wie es dort steht, Kokain "wegen seiner positiven Wirkung vielfach im Alltag Verwendung fand", dann wird es wohl als eine Art belebendes Tonikum gehandelt worden sein. Es soll auch zur Behandlung der Morphiumsucht eingesetzt worden sein.
Womöglich wurde es benutzt, wie wir heute Kaffe oder Tee trinken, - bis man auf die abhängig - machende und zerstörerische Wirkung aufmerksam wurde.
Übrigens fällt mir da eben ein, daß, -ich habe es irgendwo gehört oder gelesen und leider vergessen wo -, die Vermutung nahe liegt, daß Holmes in seiner berühmten Meerschaumpfeife mehr als nur Tabak geraucht haben könnte. Hier wurde natürlich auf Opium angespielt.
Opiate wie Opium und das daraus isolierte Hauptalkaloid Morphin (Morphium) hatten wiederum als Arzneimittel Tradition. Immerhin ist der Anbau der Stammpflanze Papaver somniferum seit der Jungsteinzeit belegt, sodaß der Schlafmohn zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschheit gezählt werden darf.
Allen voran galt Laudanum, eine Tinktur aus in Alkohol gelöstem Opium, seit seiner Erfindung durch Paracelsus Ende des 15 Jh. geradezu als wundertätiges Allheilmittel und wurde bedenkenlos sogar Kindern verabreicht.
Das Anfang des 19.Jh. erstmals isolierte Morphium war seinerzeit in der arzneilichen Anwendung als Schmerz- und Schlafmittel verbreitet. Insbesondere Soldaten mit Kriegsverletzungen wurden damit behandelt, was dazu führte, daß Morphiumsucht unter Kriegsveteranen recht verbreitet war.
Demzufolge muß man den Drogenkonsum literarischer Figuren des 19. Jh. in einem anderen gesellschaftlichen und moralischen Zusammenhang betrachten, als wir es heute tun.
Aber um wieder auf mein eigentliches Thema zurück zu kommen, - es ging mir ja um das Finden der Parallelen zwischen Poes Erzählungen und späteren Kriminalgeschichten anderer Autoren.
Wie sieht es nun also bei Poes Dupin mit der Drogensucht aus?
Dupin, ist exzentrisch, -ja.
Er ist menschenscheu, - ja.
Er hat eine besondere Vorliebe für die Dunkelheit, - ja.
Man könnte ihn als seltsam oder gar verrückt bezeichnen, - ja.
Aber Dupin ist mitnichten ein Süchtiger, - jedenfalls nicht imm Sinne von Sucht nach von außen zugeführten Substanzen.
Inwiefern charakterliche Eigentümlichkeiten in psychische Störungen und Abhängigkeiten übergehen, will ich hier nicht weiter diskutieren.
Ich denke aber, daß die Grenzen in diesem Zusammenhang weiter gesteckt sind, als manch einer annimmt.
Und trotzdem habe ich den Verdacht, daß in dieser Beziehung ein Zusammenhang zwischen Auguste Dupin und Sherlock Holmes besteht, und zwar halte ich Poe selbst für das Verbindungsglied.
Poe war nicht nur Alkoholiker, er soll auch zeitweise regelmäßig Opium in Form von Laudanum konsumiert haben.
Das schlägt sich in seinen Werken nieder. In der Erzählung "Ligeia" beispielsweise verbringt der Protagonist viel Zeit in Opiumträumen.
Auch die vielen berühmten Horrorgeschichten, dürften ihre dunkle, alptraumhafte Stimmung nicht ausschließlich dem düster-romantischen Zeitgeist der viktorianischen Ära zu verdanken haben.
Apropos düster-romantischer Zeitgeist:
Wenn ichs mir recht bedenke halte ich es nicht für ausgeschlossen, daß sogar ein grundlegender Zusammenhang zwischen dieser wunderlichen dunklen Stimmung, die ich mit dieser Zeit verbinde und der Verbreitung des Opiumgebrauchs besteht.
Das ist nur so eine Vermutung.
Ich komme darauf, weil ich sowas Ähnliches schonmal bei Rätsch gelesen habe, der der Ansicht ist, daß Kulturen nicht unerheblich von den psychoaktiven Substanzen beeinflußt werden, die jeweils in Gebrauch sind. Er bringt z.B. die farbenfrohen, geradezu psychedelischen Kunstwerke der Huichol - Indianer in Zusammenhang mit Visionen, wie sie durch den Genuß des Peyotekaktus (Lophophora williamsii) ausgelöst werden.
-Fortsetzung folgt-
Sherlock Holmes, konsumierte also Morphium und Kokain, was, so steht es hier in den frühen Geschichten ausdrücklich beschrieben wird, denn zu Zeiten ihrer Entstehung , wurden diese Mittel noch nicht als Rauschgifte betrachtet, sondern waren in Apotheken frei verkäuflich.
Was genau in den Originaltexten drinsteht will ich noch nachlesen.
Wie und wann der freie Handel mit Betäubungsmitteln verboten wurde, würde mich auch interessieren.
Wenn, wie es dort steht, Kokain "wegen seiner positiven Wirkung vielfach im Alltag Verwendung fand", dann wird es wohl als eine Art belebendes Tonikum gehandelt worden sein. Es soll auch zur Behandlung der Morphiumsucht eingesetzt worden sein.
Womöglich wurde es benutzt, wie wir heute Kaffe oder Tee trinken, - bis man auf die abhängig - machende und zerstörerische Wirkung aufmerksam wurde.
Übrigens fällt mir da eben ein, daß, -ich habe es irgendwo gehört oder gelesen und leider vergessen wo -, die Vermutung nahe liegt, daß Holmes in seiner berühmten Meerschaumpfeife mehr als nur Tabak geraucht haben könnte. Hier wurde natürlich auf Opium angespielt.
Opiate wie Opium und das daraus isolierte Hauptalkaloid Morphin (Morphium) hatten wiederum als Arzneimittel Tradition. Immerhin ist der Anbau der Stammpflanze Papaver somniferum seit der Jungsteinzeit belegt, sodaß der Schlafmohn zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschheit gezählt werden darf.
Allen voran galt Laudanum, eine Tinktur aus in Alkohol gelöstem Opium, seit seiner Erfindung durch Paracelsus Ende des 15 Jh. geradezu als wundertätiges Allheilmittel und wurde bedenkenlos sogar Kindern verabreicht.
Das Anfang des 19.Jh. erstmals isolierte Morphium war seinerzeit in der arzneilichen Anwendung als Schmerz- und Schlafmittel verbreitet. Insbesondere Soldaten mit Kriegsverletzungen wurden damit behandelt, was dazu führte, daß Morphiumsucht unter Kriegsveteranen recht verbreitet war.
Demzufolge muß man den Drogenkonsum literarischer Figuren des 19. Jh. in einem anderen gesellschaftlichen und moralischen Zusammenhang betrachten, als wir es heute tun.
Aber um wieder auf mein eigentliches Thema zurück zu kommen, - es ging mir ja um das Finden der Parallelen zwischen Poes Erzählungen und späteren Kriminalgeschichten anderer Autoren.
Wie sieht es nun also bei Poes Dupin mit der Drogensucht aus?
Dupin, ist exzentrisch, -ja.
Er ist menschenscheu, - ja.
Er hat eine besondere Vorliebe für die Dunkelheit, - ja.
Man könnte ihn als seltsam oder gar verrückt bezeichnen, - ja.
Aber Dupin ist mitnichten ein Süchtiger, - jedenfalls nicht imm Sinne von Sucht nach von außen zugeführten Substanzen.
Inwiefern charakterliche Eigentümlichkeiten in psychische Störungen und Abhängigkeiten übergehen, will ich hier nicht weiter diskutieren.
Ich denke aber, daß die Grenzen in diesem Zusammenhang weiter gesteckt sind, als manch einer annimmt.
Und trotzdem habe ich den Verdacht, daß in dieser Beziehung ein Zusammenhang zwischen Auguste Dupin und Sherlock Holmes besteht, und zwar halte ich Poe selbst für das Verbindungsglied.
Poe war nicht nur Alkoholiker, er soll auch zeitweise regelmäßig Opium in Form von Laudanum konsumiert haben.
Das schlägt sich in seinen Werken nieder. In der Erzählung "Ligeia" beispielsweise verbringt der Protagonist viel Zeit in Opiumträumen.
Auch die vielen berühmten Horrorgeschichten, dürften ihre dunkle, alptraumhafte Stimmung nicht ausschließlich dem düster-romantischen Zeitgeist der viktorianischen Ära zu verdanken haben.
Apropos düster-romantischer Zeitgeist:
Wenn ichs mir recht bedenke halte ich es nicht für ausgeschlossen, daß sogar ein grundlegender Zusammenhang zwischen dieser wunderlichen dunklen Stimmung, die ich mit dieser Zeit verbinde und der Verbreitung des Opiumgebrauchs besteht.
Das ist nur so eine Vermutung.
Ich komme darauf, weil ich sowas Ähnliches schonmal bei Rätsch gelesen habe, der der Ansicht ist, daß Kulturen nicht unerheblich von den psychoaktiven Substanzen beeinflußt werden, die jeweils in Gebrauch sind. Er bringt z.B. die farbenfrohen, geradezu psychedelischen Kunstwerke der Huichol - Indianer in Zusammenhang mit Visionen, wie sie durch den Genuß des Peyotekaktus (Lophophora williamsii) ausgelöst werden.
-Fortsetzung folgt-
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